Mai 2017 // Sieben Ghostbikes erinnern an im Straßenverkehr getötete Radfahrer – Vision Zero als Maßstab für Verkehrssicherheitskonzept gefordert!

Sieben Ghostbikes erinnern an im Straßenverkehr getötete Radfahrer – Vision Zero als Maßstab für Verkehrssicherheitskonzept gefordert!

München, 10. Mai 2017 // Seit diesem Mittwoch stehen auf Münchens Straßen wieder sieben weiß lackierte Fahrräder, sogenannte „Ghostbikes“. Jedes der Fahrräder erinnert an einen im Straßenverkehr getöteten Radfahrer. Aufgestellt wurden die Räder in einer gemeinsamen Aktion des ADFC München und der ÖDP-Stadtratsgruppe. Begleitend hat die ÖDP im Stadtrat fünf Anträge zur Verbesserung der Verkehrssicherheit für Radfahrer gestellt. Eine zentrale Forderung ist Vision Zero – Null Verkehrstote – in das Verkehrssicherheitskonzept der Stadt München als oberste Planungsvorgabe aufzunehmen.

„Vier Radfahrer sind letztes Jahr im Straßenverkehr gestorben. Das sind vier zuviel! “ konstatiert ÖDP-Stadträtin Sonja Haider anlässlich der Veröffentlichung der 2016 in München ums Leben gekommenen Radfahrerinnen und Radfahrer und ergänzt: “Eines der Opfer war eine 30-jährige Frau, die von einem unachtsam abbiegenden LKW-Fahrer überfahren wurde.“ Andreas Groh, stellvertretender Vorsitzender des ADFC München, erklärt dazu: „Leider machen Abbiegeunfälle 15-20 Prozent der Unfälle mit Radfahrern aus und stehen damit ganz oben in der Unfallstatistik. Radfahrer können sich derzeit nicht immer auf ihren Vorrang gegenüber abbiegenden Kraftfahrzeugen verlassen. Immerhin hat die Münchner Polizei das Problem endlich erkannt und führt seit einigen Tagen Abbiegekontrollen durch. Das muss nun konsequent fortgesetzt werden.“

Neben den vier getöteten gab es letztes Jahr über 300 schwer verletzte Radfahrer in München. Vor diesem Hintergrund fordern die Münchner ÖDP und der ADFC München die Landeshauptstadt München auf, mehr für die Sicherheit der Radfahrer zu tun und das Verkehrssicherheitskonzept an Vision Zero auszurichten. Stadträtin Haider erklärt: „Die Grundannahme von Vision Zero ist, dass Menschen Fehler machen. Deshalb muss man die Grundsituation so verändern, dass Fehler nicht unmittelbar zur Katastrophe führen. Bauliche Veränderungen, technische Verbesserungen an LKWs und auch die Sicht aller Verkehrsteilnehmer kennenzulernen sind dazu notwendig. Das käme am Ende allen Verkehrsteilnehmern zu Gute.“ Andreas Groh fügt hinzu: „Der deutliche Rückgang der Unfallzahlen an der Kreuzung Donnersbergerbrücke/Arnulfstraße seit der Roteinfärbung im August 2015 zeigt, dass bereits einfache Maßnahmen viel helfen können. Warum wird das nicht konsequent und präventiv an allen großen Kreuzungen so gemacht? Es muss doch nicht immer erst ein Radfahrer getötet oder schwer verletzt werden bis gehandelt wird!“

Ebenso wie im letzten Jahr werden die Ghostbikes auch wieder beim Ride of Silence am 17. Mai 2017 angefahren und der getöteten Radlerinnen und Radler in einer Schweigeminute gedacht. Weitere Informationen zum Ride of Silence finden Sie hier:
www.adfc-muenchen.de/RideOfSilence

Ein herzliches Dankeschön geht an die Werkstatt R18, die die Räder gespendet hat und an die Jugendlichen im Betrieb, die die Räder weiß lackiert haben.

Pressekontakt:
ADFC München: Andreas Groh email hidden; JavaScript is required. Tel. 0176 2350 5650
ÖDP Stadtratsgruppe München: Katharina Horn, email hidden; JavaScript is required, Tel. 0172 695 63 29

Standorte der Ghostbikes 2017

Lassale- Ecke Triebstraße

An der Kreuzung Lassalle-/Triebstraße wurde am 21. September 2016 die 30-jährige Sylvia an ihrem Geburtstag von einem abbiegenden LKW-Fahrer überfahren. Der LKW war nicht mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet.

Petuelring Ecke Knorrstraße

Am 11. September 2013 wurde die 53-jährige Beatrix am Petuelring von einem in die Knorrstraße abbiegenden LKW-Fahrer übersehen und getötet. Der LKW war nicht mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet.

Dachauer- Ecke Gröbenzellerstraße

Am 25. Juni 2015 verunglückte an dieser Stelle ein 82 Jahre alter Radfahrer. Ein abbiegender LKW hatte den Radler übersehen und überfuhr den Mann. Der LKW war nicht mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet.

Rosenheimerstraße kurz nach der Abzweigung der Balanstraße

Am 5. Dezember 2011 verunglückte hier eine 23-jährige Radlerin tödlich als sie mit ihrem Radl vom endenden Radweg auf die Straße fuhr und ein LKW-Fahrer sie erfasste. Noch heute fehlt eine ausreichend deutliche Kennzeichnung.

Arnulfstraße Ecke Donnersberger Brücke

Am 30. Juli 2015 wurde hier eine 69-jährige Frau von einem abbiegenden LKW übersehen und überfahren. Der LKW war nicht mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet.

Baumgartnerstraße Ecke Am Westpark

Am 4. Juni 2014 wurde ein 47-jähriger Radfahrer von einem PKW Fahrer übersehen und überfahren.

Am Nockherberg

Am 13. Juli 2017 wurde ein 75 Jahre alter Mann am Nockherberg von einem bei nasser Fahrbahn mit überhöhter Geschwindigkeit fahrendem Autofahrer getötet.